Den richtigen Bauunternehmer finden

In Bauunternehmer by S. Seiler6 Comments

Wie findet man nur bei der Vielzahl der Möglichkeiten den richtigen Anbieter für den Hausbau? Es gibt aus meiner Sicht mehrere Möglichkeiten, von denen ich hier kurz auf die zielführendsten eingehen möchte.

Eine Vorauswahl treffen

  1. Fragt in der Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis nach Erfahrungen mit Bauunternehmer . Neben vielen Anekdoten aus der Bauzeit dürftet ihr hier schnell fündig werden. Vor allem Bauvorhaben aus den letzten 2-3 Jahren dürften hier besonders aufschlussreich sein.
  2. Fragt doch mal beim Verband Privater Bauherren e.V ob sie euch empfehlenswerte Anbieter in der Nähe eures Bauorts nennen können. Die Damen und Herren Bausachverständige kennen sich sehr gut in der Branche aus. Mir wurden in einem Beratungsgespräch genau jene Anbieter genannt, die ich selber nach teils mühsamer Recherche aus der Masse heraus gefiltert hatte.
  3. Zieht ihr in ein Neubaugebiet? – Dann schaut vorab ob es vielleicht eine Facebookgruppe o.Ä. gibt – Wenn vor euch bereits andere Bauherren in dem Gebiet gebaut haben, so haben diese soeben Erfahrungen gesammelt, die euch nützen könnten. Die Nachfrage nach den Erfahrungen mit verschiedenen Bauunternehmer ist doch auch ein guter Grund sich bei den zukünftigen Nachbarn einmal vorzustellen.
  4. Lasst euch Kataloge schicken von weiteren Anbietern.

Bilanzprüfung

Nun solltet ihr im nächsten Schritt auf Bundesanzeiger.de die Bilanzen der einzelnen Anbieter ansehen, die ihr in die engere Wahl nehmen möchtet. Sollte dort aus den letzten Jahren das Bilanzergebnis deutlich im negativen Bereich liegen, oder andere Auffälligkeiten sichtbar sein, so würde ich empfehlen einen Experten zu Rate ziehen, der die Sachlage für euch prüft. Eine negative Bilanz heißt natürlich noch lange nicht, dass der Anbieter kurz vor dem Bankrott steht – es könnte lediglich ein Indiz dafür sein. Also bitte nicht einfach einem Anbieter eine Absage erteilen, nur weil die Bilanz auf den ersten Blick schlecht aussieht.

Grundsätzlich bietet es sich an einen Anbieter zu wählen, der einem ausdrücklich empfohlen wurde. Ich selber halte wenig davon, z.B. Anbieter auf Baumessen auszuwählen.

Bewertete Entscheidungsmatrix

Wenn ihr also nun eine Liste der möglichen Anbieter erstellt habe, gilt es nun mit euren ersten Ideen diese alle aufzusuchen und einen optimalen Grundriss für euch zu erarbeiten. Um die Anbieter später vergleichen zu können macht es Sinn, alle nach und nach „auf den gleichen Grundriss“ und geplante Haustechnik zu bringen. Nur so lassen sich später Leistungen und Preise vergleichen.

Auf die Berechnung eines bereinigten Festpreises gehe ich in einem späteren Blogpost ein, an dieser Stelle möchte ich nur kurz die Möglichkeit vorstellen, eine bewerte Entscheidungsmatrix zu erstellen, um eine objektive Entscheidung für „den richtigen“ Anbieter fällen zu können. Die Kriterien der Matrix zu erstellen erfordert einiges an Aufwand, es muss die komplette Bauleistungsbeschreibung nebst Anhang in eine Tabelle gebracht und verglichen werden. Aber dieser Aufwand lohnt sich!

Doch, wie geht man dabei genau vor? Ich habe unten eine Tabelle eingefügt, die in der ersten Spalte alle wichtigen Angaben aus der Bauleistungsbeschreibung auflistet. Diese Informationen sucht man nun für alle Anbieter aus deren Bauleistungsbeschreibungen heraus und listet sie in der Tabelle. Zum Schluss macht man sich Gedanken, wie wichtig einem die einzelnen Punkte sind. In meiner Tabelle habe ich einige Punkte, die z.B. gar nicht in die Bewertung einfließen, wie die Beschaffenheit der Dachrinnen / Fallrohre. Bewerten Sie die Positionen, die Ihnen wichtig sind mit einem hohen Prozentsatz, solche die weniger wichtig sind, aber in die Bewertung einfließen sollen mit einem geringeren. Insgesamt muss die Summe der Einzelposten 100% ergeben. Nun müssen im nächsten Schritt alle Posten jedes Anbieters einzeln bewertet werden. Hier bietet sich eine Skala von 0 bis 10 an um ein ausreichend großes Spektrum für die Bewertung zur Verfügung zu haben. Eine „10“ entspricht dabei einen absoluten Topbewertung, wohingegen eine „Null“ noch deutlich Luft nach oben lässt.

Hat man nun alle einzelnen Punkte bewertet, so berechnet man das Summenprodukt über die Spalte, welche die Prozente enthält und die der Bewertung jedes Anbieters. Hier sollte nun ein Wert zwischen 0 und 10 heraus kommen, welcher einer gewichteten Bewertung des Anbieters entspricht.

Je höher eine Bewertung für einen Anbieter ausfällt, desto besser entspricht er euren Wünschen und den zuvor definierten Bewertungskriterien.

In unserem Fall sind drei Anbieter in der engeren Auswahl gelandet, nachdem wir bei ca. 10 Anbietern eine Vorauswahl getroffen haben. Davon sind zwei bei einer Gesamtbewertung von 7,5x  von 10 gelandet. Ein durchaus gutes Ergebnis wie ich finde.

Die untenstehende Tabelle listet einige meiner Bewertungskriterien, sowie deren Gewichtung auf. Die bei mir ausschlaggebende Bewertung in meiner Exceltabelle der Anbieter und auch viele der Informationen aus den Bauleistungsbeschreibungen sind für die untenstehende Tabelle stark verfremdet worden. Die Bewertung entspricht somit nun nicht mehr der Bewertung wie ich sie für die drei Anbieter durchgeführt habe. Es sollte Ihnen selbst jedoch schnell möglich sein auf der hier aufgezeigten Basis eine eigene Bewertung vorzunehmen.

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Comments

  1. Hallo Sven, ich bin zufällig auf Dein Bautagebuch gestoßen, und vermiße in Deiner Aufstellung den EIB, gleich Europäischer Installations Bus. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du als EDV- Freak Schalter, Leuchten etc. wie vor hundert Jahren nutzen willst. Eher vermute ich Dich im Liegesessel, um mit einem Tablett o.ä. die gesamte Elektroanlage zu steuern und zu bedienen!
    Viele Grüße aus dem LKO XV

    1. Author

      Hallo Heinz,

      danke für dein Feedback. – Mit dem EIB oder mittlerweile eher als KNX bekannt habe ich mich eingehend beschäftigt. Die Verkabelung ist leider sehr teuer und aus meiner Sicht nicht mehr „state of the art“. Ich denke, ich werde eher auf Zigbee o.Ä. – also Funkttechnologien setzen und zusätzlich in jedem Raum mehrere CAT-Kabel für die Netzwerkinfrastuktur verlegen, an die dann auch Komponenten angeschlossen werden können.

      Leider ist dieses „Smart Home“ Hobby sehr, sehr teuer und von daher muss ich auf einiges verzichten, was ich sicherlich gerne verbaut hätte. Mein eigentlicher Favorit wäre Digitalstromn, aber bei Kosten von ca. 100 EUR für eine einfache Tasterklemme (smarte Lichtschalter) sprengt man damit schnell jedes Elektrobudget 🙂

      Viele Grüße
      Sven

      1. Hallo Sven,

        ich grabe mal diesen alten Kommentar aus, weil du bisher leider nichts neues zum Thema Hausautomation geschrieben hast. Ich bin (als ebenfalls IT-Bauherr und gerade im Thema) sehr gespannt, wie du dich entscheidest. Vielleicht bekommen wir hierzu bei Gelegenheit ein Update?

        Viele Grüße
        Christoph

        PS: Ich glaube wir haben den selben Elektriker. 😉

        1. Author

          Hey Christoph,

          sorry, ich habe den Blog hier einige Zeit links liegen gelassen. Ich habe nun wirklich nur überall in den Räumen Netzwerkanschlüsse. Im Büro noch ein paar zusätzliche Dosen, ebenso Netzwerkkabel ohne Stecker (aufgerollt) für ggf. später in strategisch wichtigen Positionen im Haus 🙂
          Das Budget hat also für einen Smarthome-Ausbau nicht gereicht. Allerdings verwendet der Elektriker (Herr Melzer) für alle Dosen die etwas tiefere Variante, so dass man später an Schaltern und Steckdosen noch nachrüsten kann. Was wir uns als „Luxus“ gegönnt haben ist allerdings eine zeitlich programmierbare Rolladensteuerung, die man ggf. später noch um Funk erweitern kann.

          Ansonsten gab das Budget nicht mehr her 🙂

          Viele Grüße
          Sven

  2. Danke für diese Tabelle! So etwas habe ich schon länger gesucht. Dann versuche ich mal mir eine eigene Bewertung zu erstellen.

  3. Was für eine Aufstellung hier! So kann man sich ja nur noch richtig entscheiden 🙂
    Danke für die Mühen, ich werde mir nun eine ähnliche Tabelle erstellen

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